Filmkritik: Resident Evil 6

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Joachim
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Filmkritik: Resident Evil 6

Beitrag von Joachim » Mo 6. Feb 2017, 10:44

Ich schreibe sonst keine Filmkritiken; in diesem Fall erscheint es mir angebracht, davor zu warnen. Der Film ist sein Geld nicht wert.

Scheitern in 3D
Falls Regisseur und Drehbuchschreiber Paul W. S. Anderson sowie Ehefrau und Hauptdarstellerin Milla Jovovich mit Resident Evil 6: The Final Chapter ihren Abstieg in die C- bzw. D-Liga der Filmschaffenden verkünden wollten, dann ist ihnen das gelungen. Anderson schrieb für alle Filme der Reihe die Drehbücher und führte bei vier der sechs Filme Regie. Anderson inszenierte auch Filme wie Death Race oder Event Horizon und lieferte bisher solide Arbeiten ab. Beim ersten Teil der Resident Evil-Reihe gelang es ihm, bei einem knappen Budget einen atmosphärischen Survival-Horror-Streifen abzuliefern. Erst beim vierten Teil saß er wieder im Regiestuhl und beschloss, den Fim mit 3D-Kameras zu drehen. Ein Teil des Budgets ging dafür drauf, dass die Kameraleute erst ein Gefühl für die Technik bekommen mussten. Dann aber wurde die Raumtiefe gut ausgereizt, obwohl ein Großteil des vierten Teils in Innenräumen spielt. Auch den fünften Film inszenierte Anderson in 3D. Die Story war zwar hauchdünn, dafür punktete der Film mit den Actionszenen.

Resident Evil 6: The Final Chapter spielt überwiegend in der Nacht oder im Dunkel bzw. Halbdunkel, vermutlich um die dürftigen Drehorte bzw. das Kreaturendesign zu verdecken. Von einer guten Ausleuchtung kann hier keine Rede sein, und der 3D-Effekt ist völlig verschwendet. Die Kampfszenen sind dermaßen hektisch geschnitten, dass von guter Kameraführung oder Choreographie nicht die Rede sein kann. Vermutlich sollen so Schwächen kaschiert werden, aber damit wird 3D nicht ausgereizt, sondern verstümmelt.

Aus der Darstellerriege ragt in meinen Augen nur Iain Glen als Dr. Isaacs heraus, der den Bösewicht routiniert, aber nicht inspiriert spielt. Die übrigen Schauspieler bleiben weit dahinter zurück. Vermutlich hatten sie angesichts ihrer flachen Charaktere auch keine besondere Lust, sich anzustrengen. Fast alle Figuren sind nur Staffage für Alice und Dr. Isaacs. Eigentlich hätte man den Film auch nur mit zwei Schauspielern drehen können.

Resident Evil 6: The Final Chapter wirkt billig. Das Budget muss deutlich niedriger als in den Vorgängerfilmen gewesen sein. Dennoch gibt es B-Filme, denen man die Hingabe am Film ansieht. Resident Evil 6: The Final Chapter wirkt dagegen lustlos heruntergekurbelt. Von Uwe Boll hätte ich eine derartige Arbeit erwartet, aber nicht von Paul W. S. Anderson, der sein bisheriges Niveau um Längen untergräbt.

Anderson widerspricht mit seinem Drehbuch auch der bisherigen Story, für die er verantwortlich war. Die Ereignisse des zweiten Teils werden komplett ignoriert und neu erzählt, so dass Anderson einen Storydreh einbauen kann, der auf mich aber völlig die Wirkung verfehlt. In meinen Augen hatte Anderson keine Ideen und auch keinen Bock mehr. Vielleicht hat war er verpflichtet, den sechsten Teil zu drehen oder war über das geringe Budget sauer; auf alle Fälle hat er sich wohl nicht besonders angestrengt. Anders kann ich mit den krassen Abfall der Qualität nicht erklären.

Alle Filme der Resident Evil-Reihe sind letztlich B-Filme, aber sie haben ihren Charme. Resident Evil 6: The Final Chapter ist einfach nur grottig. Er ist noch nicht einmal unfreiwillig komisch, sondern einfach nur schlecht und ein Schlag in das Gesicht der Zuschauer. Ein paar Filmstudenten hätten vermutlich ein besseres Produkt abgeliefert.

Fazit:

Resident Evil 6: The Final Chapter verdient eine vielfache Nominierung für die Goldene Himbeere: schlechteste Regie, schlechtestes Drehbuch, schlechteste Hauptrolle, schlechteste Nebenrolle, schlechtester Schnitt und schlechteste Effekte. Paul W. S. Anderson hat es wahrscheinlich geschafft, als erster Regisseur einen C-Film in 3D zu inszenieren. Vermutlich hat er die Kameras gekauft und sie standen nutzlos bei ihm rum, also hat er sie eingesetzt. Einen Platz neben Uwe Boll hat er sich damit gesichert: Selbst wenn man von dem Film wenig erwartet, enttäuscht er immer noch.
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Re: Filmkritik: Resident Evil 6

Beitrag von Andi01 » Mo 3. Apr 2017, 20:32

Ich kann dir nur zustimmen.
Dennoch verstehe ich es einfach nicht. Warum hat das Studio diesen Film auf den Markt geworfen hat, methaphorisch gesehen haben sie mMn einen halbverdauten haufen Mist auf die "restliche Fangemeinde" gelegt, welche die Film Serie tortz ihrer Mängel gut fande. Also wieso macht man sowas, dachten sie sich"Underworld: Bloodwars war so schlecht, da kommen wir damit noch gut durch".

Was glaub ich auch ein Problem darstellt ist die Schaupielerin Milla Jovovich, welche es nicht mehr mit ihrem sex appeal rausreissen kann :lol: :P und deswegen glaubt wahrscheinlich das Studio auch nicht an den Film. :twisted:
"Zu kämpfen mit dem Feind, ihn zu verfolgen und zu vernichten und sich zu erfreuen am Geschrei der Weiber!"

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